Siegener Zeitung

Schulen und Kindergärten heute zu

Landrat löste gestern Abend Katastrophenalarm aus / Zahlreiche Straßen gesperrt

19.01.2007

kalle/ph Siegen/Bad Berleburg/Olpe/Betzdorf. Die Zeugnisausgabe fällt heute ins Wasser. Sämtliche Schulen und Kindergärten im Kreis Siegen-Wittgenstein bleiben heute geschlossen. Grund ist das Orkantief »Kyrill«. Um 19.21 Uhr löste Landrat Paul Breuer gestern Katastrophenalarm aus, weil zahlreiche Straßen aufgrund umgestürzter Bäume nicht mehr passierbar waren. Weit über 900 Kräfte von Feuerwehr, THW, DRK und Malteser Hilfsdienst leisteten mehr als 500 Einsätze. In Bad Laasphe geriet ein Feuerwehrmann unter einen Baum und verletzte sich an der Schulter. In Afholderbach wurden 15 Feuerwehrleute in einem Waldgebiet vorübergehend eingeschlossen. Das gleiche Schicksal ereilte zwei Polizisten in Sassenhausen.

Dabei hatte der Sturm in der heimischen Region erst nach und nach sein volles Ausmaß entwickelt. Der erste Vorgeschmack am Nachmittag richtete im Vergleich zu anderen Landstrichen noch verhältnismäßig geringe Schäden an. Die zweite Welle am Abend hatte es dann aber in sich. Eine genaue Schadensbilanz lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

Umgestürzte Bäume und Hochwasser ließen die Einsatzkräfte an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit stoßen. Da sie nicht überall gleichzeitig sein konnten, blieb als letzter Ausweg nur die Sperrung der betroffenen Straßen. Einsätze in Waldgebieten wurden zur Sicherheit der Helfer eingestellt, lediglich Menschen aus Gefahrenlagen befreit. Nicht nur der Strom fiel in zahlreichen Ortschaften aus, auch das Mobilfunknetz brach vorübergehend zusammen.

Erste Einsatzschwerpunkte im Kreis Siegen-Wittgenstein waren bis zum frühen Abend unter anderem Hilchenbach und Bad Laasphe, wo voll gelaufene Keller ausgepumpt werden mussten. Von umgeknickten Bäumen betroffen war nicht nur der Kreis Siegen-Wittgenstein, sondern auch der Kreis Olpe, unter anderem die K19 zwischen Kirchhundem-Brachthausen und Silberg. Dramatisch gestaltete sich die Lage auch im Kreis Altenkirchen, wo die Feuerwehren ab 20 Uhr im Dauereinsatz unterwegs waren.

Die Sperrung Eisenstraße zwischen Lützel und Lahnhof bis in den heutigen Tag hinein war recht frühzeitig beschlossene Sache. Das Risiko, noch während des Sturmtiefs und zu nächtlicher Stunde die schmale »Asphaltschneise« inmitten des riesigen Waldgebiets freizuräumen, erschien Kreisbrandmeister Bernd Schneider zu hoch.

Schrecksekunden gestern Nachmittag im DRK-Altenheim in Neunkirchen-Salchendorf. Dort hob eine Böe für Sekundenbruchteile das Flachdach auf einer Länge von etwa 15 Metern an, dann sackte es wieder ab. Die Neunkirchener Feuerwehr beschwerte die Abdeckung mit Sandsäcken, um eine Wiederholung bzw. größere Schäden zu verhindern. Am Abend erwischte der Sturm auch das Dach der EJOT-Zentrale in Bad Berleburg. Hier wurden Teile des Daches abgedeckt. Gleiches Schicksal ereilte ein Haus in der Nähe von Biedenkopf. In Mitleidenschaft gezogen wurde auch das Dach der Neurologischen Fachklinik in Hilchenbach.

Die Siegener Kreisverwaltung und die Stadtverwaltung Olpe, aufgeschreckt durch die extreme Unwettervorhersage, gaben vormittags bereits die Empfehlung an die Schulen aus, die Schüler und Schülerinnen ab 11 Uhr auf den Nachhauseweg zu schicken. Die Schulleitungen sandten die Kinder und Jugendlichen teilweise in Gruppen früher nach Hause, da sich der Schülerfahrverkehr nicht so schnell für alle umorganisieren ließ.

Viele Lehranstalten richteten sich danach. Ebenfalls blieben ab mittags viele Kindergärten geschlossen. Es wurden jedoch, da wo es nötig war, für die Kinder, deren Eltern die Kleinen nicht kurzfristig abholen konnten, ein Notdienst eingerichtet. Das Angebot an die Mitarbeiter bei der Stadt Siegen, im Rahmen der Gleitzeit früher nach Hause zu gehen, um eventuell Kinder abzuholen oder Sicherungsarbeiten am Haus durchzuführen sei nur von wenigen angenommen worden, so die Pressesprecherin der Stadt, Astrid Schneider.

In einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz verteidigte Henning Setzer als Ordnungsamtsleiter des Kreises Siegen-Wittgenstein am späten Nachmittag die Entscheidung, Schulen und Kindergärten zu empfehlen, den Nachwuchs vorsorglich nach Hause schicken zu dürfen. Im Interesse der Sicherheit sei der Ausfall von zwei oder drei Schulstunden zu rechtfertigen.

Durch den Dauerregen stiegen die Pegel der Sieg und ihrer Nachbarngewässer zwar erheblich an, zu schweren Überschwemmungen kam es indes bis zum Redaktionsschluss nicht. Allerdings drohte im Wittgensteiner Land die Lahn über die Ufer zu treten.