Siegener Zeitung

19.09.2006

2100 Helfer kämpften gegen Fluten

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Starke Gewitterfront mit sintflutartigen Regenfällen sorgte für Chaos im Lahn-Dill-Kreis

sz/dibi Haiger/Dillenburg. Schwere Gewitter und sintflutartige Regenfälle haben am Sonntagabend Teile von Nordrhein-Westfalen und Hessen ins Chaos gestürzt. In Dillenburg fielen bis Mitternacht nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Intensivpatienten der Dill-Kliniken – Keller liefen voll und Geräte wurden beschädigt – wurden verlegt, Straßen standen bis zu einem halben Meter unter Wasser, Autos schwammen davon, rund 1000 Keller wurden überflutet. Nach Angaben des Führungsstabes im Lahn-Dill-Kreis wurde die Klinik nur über Notstromaggregate mit Energie versorgt. »Es wird wohl mehrere Wochen dauern, bis unsere Klinik wieder ihren kompletten Betrieb aufnehmen kann«, sagte gestern der Geschäftsführer des Krankenhauses, das vorerst keine neuen Patienten mehr aufnimmt.

Im Industriegebiet der 25000-Einwohner-Stadt stand das Wasser in einigen Betrieben bis zu 50 Zentimeter hoch. In der Kernstadt wurden einige Schulen überflutet. Mit Ausnahme von Donsbach und Manderbach fiel der Unterricht gestern aus. In Manderbach liefen bei einer Spedition 1000 l Altöl aus. Überall im Schadensgebiet nahm die Natur Schaden durch aufgeschwemmte Heizöltanks.

Besonders stark betroffen auch Haiger, Sechshelden, Niederscheld und Oberscheld. Im Bereich Haiger standen ca. 150 Keller unter Wasser und im Ortsteil Sechshelden war zusätzlich noch die Stromversorgung ausgefallen. Gestern wurde fieberhaft gearbeitet, um die Schäden schnellstmöglich wieder zu beheben.

In Dillenburg stand die Straße in Richtung Frohnhausen unter Wasser. Der Stahlkonzern ThyssenKrupp stoppte im Edelstahlwerk die Produktion. Niederscheld wurde durch die Wassermassen abgeschnitten, die Telefon- und Stromversorgung fiel aus. In Oberscheld musste ein Hang gegen Einsturz gesichert werden. Straßenmeisterei und Polizei waren im Einsatz, weil umgestürzte Bäume Straßen rund um Dillenburg blockierten.

In der Gemeinde Eschenburg und den Städten Haiger und Dillenburg kam es zudem zu fünf Dachstuhlbränden, welche durch Blitzeinschlag verursacht wurden.

In Bischoffen standen ca. 80 Keller unter Wasser, auch die Gemeinden Mittenaar und Siegbach waren betroffen. Herborn kam relativ glimpflich davon. Die Einsatzkräfte schafften es, Überflutungen mit Sandsäcken und dem so genannten Quick-Damm-System weitgehend abzuwenden.

85 Feuerwehren im Einsatz

Um 22:53 Uhr wurde am Sonntag der Führungsstab alarmiert. In allen Einsatzgebieten waren die eigenen und die umliegenden Feuerwehren im Einsatz. 85 Feuerwehren, das THW, Polizei, DLRG und ein Sanitätszug mit insgesamt ca. 2100 Einsatzkräften kämpften in den Überflutungsgebieten gegen die Wassermassen an. Bei Oberscheld konnte eine Person aus einem Fahrzeug gerettet werden.

Burbacher halfen mit Sandsäcken aus

Auch im südlichen Siegerland standen die Feuerwehren auf Abruf bereit. Burbachs Gemeindebrandinspektor Rolf Lengenberg ließ noch vor Mitternacht im Burbacher Gerätehaus bis gegen 1.30 Uhr einen Meldekopf einrichten. Von hier aus wurden die Einsätze koordiniert. Die Löschgruppen Holzhausen, Niederdresselndorf, Würgendorf und Burbach leisteten grenzüberschreitende Hilfe, brachten u.a. Sandsäcke in die Nachbarregion.