Freiwillige Feuerwehr Burbach
Einheit Holzhausen
700 Jahre Holzhausen

Feuerwehr-Mythen im Check

Feuerwehr-Mythen im Check: Was stimmt wirklich?

Rund um die Feuerwehr halten sich jedoch hartnäckig einige Mythen. Zeit, mit den größten Irrtümern aufzuräumen! Wir machen den Faktencheck: Was stimmt wirklich und was gehört ins Reich der Fabeln?


Mythos 1

„Die Feuerwehr rettet jede Katze vom Baum – kostenlos!“

Der Mythos: Ein Kätzchen sitzt jammernd in der Baumkrone, die Feuerwehr rückt mit der großen Drehleiter an, rettet das Tier und alle klatschen.

Die Realität: Jein. Natürlich helfen wir Tieren in Not. Aber: Eine Katze ist ein Kletterkünstler. Meistens kommt sie nach ein paar Stunden von ganz alleine wieder herunter, sobald die Luft rein ist. Wir rücken in der Regel erst aus, wenn das Tier offensichtlich verletzt ist oder schon tagelang feststeckt.

Und die Kosten? Wenn Gefahr im Verzug ist, helfen wir. Handelt es sich jedoch um eine reine „Komfort-Rettung“ (weil der Besitzer ungeduldig ist), kann die Gemeinde den Einsatz dem Tierhalter durchaus in Rechnung stellen.


Mythos 2

„Ihr reißt Türen und Fenster nur auf, weil es euch Spaß macht!“

Der Mythos: Bei einer verrauchten Wohnung oder einer hilflosen Person hinter verschlossener Tür wird sofort die Axt geschwungen und die Tür zertrümmert.

Die Realität: Absolut falsch. Unsere Schutzkleidung ist zwar schwer, aber wir arbeiten mit Fingerspitzengefühl. Wenn wir zu einer „Türöffnung bei Gefahr im Verzug“ gerufen werden (z. B. medizinischer Notfall), versuchen wir immer, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Wir haben dafür Spezialwerkzeuge, mit denen wir Zylinder in Sekundenschnelle ziehen oder fräsen können. Die Axt oder die Ramme kommt nur dann zum Einsatz, wenn wirklich jede einzelne Sekunde über Leben und Tod entscheidet.


Mythos 3

„Die trinken nach dem Einsatz doch eh nur Bier auf Gemeinde-Kosten.“

Der Mythos: Nach dem Einsatz sitzen alle gemütlich im Feuerwehrhaus und das Bier fließt auf Staatskosten.

Die Realität: Schön wär’s! Erstens: Alkohol im Dienst oder während eines Einsatzes ist absolut tabu (0,0-Promille-Grenze). Zweitens: Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz. Wenn wir von der Einsatzstelle zurückkommen, geht die Arbeit erst richtig los. Fahrzeuge müssen gereinigt, Schläuche getauscht, Atemschutzgeräte desinfiziert und verbrauchtes Material aufgefüllt werden. Erst wenn die Fahrzeuge wieder zu 100 % einsatzbereit sind, ist der Dienst beendet. Und das Feierabendbier? Das zahlen die Feuerwehrleute aus ihrer eigenen Kameradschaftskasse – die Gemeinde zahlt dafür keinen Cent.


Mythos 4

„Bei der Freiwilligen Feuerwehr sitzen alle einsatzbereit auf der Wache.“

Der Mythos: Wenn es brennt, rutschen die Feuerwehrleute wie im Fernsehen die Stange herunter, weil sie im Feuerwehrhaus gewartet haben.

Die Realität: Das gilt nur für Berufsfeuerwehren in Großstädten. Bei uns im Ort läuft das anders: Das Feuerwehrhaus ist im Alltag komplett leer. Wenn der Alarm schrillt, sprinten wir von unserem eigentlichen Arbeitsplatz, dem Sofa oder dem Abendbrotstisch los, fahren zum Gerätehaus und ziehen uns erst dort um. Wir sitzen also nicht wartend herum, sondern leben ein ganz normales Leben – bis der Pager piept.


Mythos 5

„Im brennenden Haus sieht man vor lauter Feuer alles taghell.“

Der Mythos: Filmszenen zeigen brennende Zimmer oft hell erleuchtet, sodass man alles perfekt erkennen kann.

Die Realität: Das Gegenteil ist der Fall. In einem brennenden Gebäude sieht man oft: absolut gar nichts. Der Brandrauch ist pechschwarz, extrem dicht und giftig. Selbst starke Taschenlampen kommen gegen diesen Rußvorhang nicht an. Unsere Atemschutztrupps tasten sich deshalb oft auf allen vieren durch die Räume. Um überhaupt etwas zu sehen, nutzen wir moderne Wärmebildkameras, die die Hitze von Personen und Brandherden sichtbar machen.


Mythos 6

„Das Martinshorn nachts um 03:00 Uhr schaltet ihr doch nur ein, um uns zu wecken!“

Der Mythos: Die Straße ist komplett leer, es ist mitten in der Nacht, aber die Feuerwehr fährt trotzdem mit lautem Tatütata durchs Wohngebiet.

Die Realität: Das Gesetz lässt uns hier leider keine Wahl. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) besagt eindeutig, dass das „Wegerecht“ (also dass andere uns Platz machen müssen) nur dann gilt, wenn Blaulicht UND Martinshorn gemeinsam eingeschaltet sind. Schalten wir das Horn nachts aus und es kommt zu einem Unfall, haftet der Fahrer des Löschfahrzeugs meist persönlich. Zudem können auch nachts Fußgänger hinter Kurven die Straße überqueren oder unvorsichtige Autofahrer unterwegs sein. Wir machen den Krach also nicht aus Spaß, sondern zur Sicherheit aller.


Mythos 7

„Feuerwehrleute sind alle riesig, extrem durchtrainiert und männlich.“

Der Mythos: Wer zur Feuerwehr will, muss aussehen wie ein Bodybuilder und mindestens 1,90 Meter groß sein.

Die Realität: Die moderne Feuerwehr lebt von Vielfalt. Ja, die Fitness muss stimmen, besonders für den Atemschutzeinsatz. Aber wir brauchen absolut jeden Körpertyp: Die kleinere, schlanke Kameradin kommt in engen Schächten viel besser voran als der Muskelberg. Der technisch versierte Tüftler bedient die Pumpen, und logistische Organisationstalente koordinieren den Nachschub. Bei uns zählt das Team – und Frauen sind schon lange fester und unverzichtbarer Teil unserer Mannschaft.


Mythos 8

„Wasser löscht jedes Feuer.“

Der Mythos: Wenn es brennt, hilft die sprichwörtliche „Eimerkette“ oder der Gartenschlauch – Hauptsache Wasser drauf.

Die Realität: Das kann lebensgefährlich werden! Bestimmte Brände darf man niemals mit Wasser löschen. Brennt beispielsweise Speiseöl in der Pfanne (Fettbrand), verdampft das Wasser schlagartig und reißt das brennende Fett mit nach oben – es kommt zu einer meterhohen, lebensgefährlichen Stichflamme. Auch bei Metallbränden oder bestimmten chemischen Stoffen reagiert Wasser so heftig, dass es zu Explosionen führt. Deshalb nutzen wir je nach Brandart speziellen Schaum, Pulver oder Kohlendioxid (CO2).


Mythos 9

„Ihr seid von der Feuerwehr, also müsst ihr auch Wespennester entfernen.“

Der Mythos: Im Garten hängt ein Wespennest, also ruft man einfach die Feuerwehr, die das Problem schnell und unkompliziert beseitigt.

Die Realität: Wespen und Hornissen stehen unter strengem Naturschutz. Die Feuerwehr darf ein Nest nur dann umsiedeln oder entfernen, wenn eine akute Gefahr für Leib und Leben besteht – zum Beispiel in einem Kindergarten oder wenn Allergiker im Haus wohnen. In allen anderen Fällen verweisen wir an Schädlingsbekämpfer, Imker oder die Naturschutzbehörde. Die Feuerwehr ist kein günstiger Hausmeisterservice.


Mythos 10

„Die Freiwillige Feuerwehr bekommt für Einsätze Geld.“

Der Mythos: Wer bei der Freiwilligen Feuerwehr mitmacht, verdient sich damit ein nettes Taschengeld oder bekommt einen Stundenlohn für Einsätze.

Die Realität: Der Name sagt es schon: Es ist absolut freiwillig und ehrenamtlich. Niemand von uns bekommt Geld für die geleisteten Einsatzstunden, die Übungen am Wochenende oder die Lehrgänge. Wenn wir während der Arbeitszeit alarmiert werden, zahlt die Gemeinde den Verdienstausfall an unseren Arbeitgeber, damit dieser keinen Nachteil hat – auf unserem privaten Konto landet davon jedoch kein Cent. Unser Lohn ist das gute Gefühl, geholfen zu haben.


Fazit

Die Realität der Feuerwehr ist oft weniger Hollywood, dafür aber ein echtes Handwerk, das auf Teamwork, moderner Technik und harter Ausbildung basiert.

Gefällt dir der Text so, oder hast du noch einen spezifischen Mythos im Kopf, den eure Bürger oft ansprechen und den wir unbedingt noch mit aufnehmen sollten?